Suche
  • Noémi Szabina Haugk

Aktiv für mich



Ich erinnere mich noch ganz genau an das Gespräch mit der Ärztin im Krankenhaus nach der Diagnose. Sie zeigte uns - mein Mann saß neben mir - die MRT Aufnahmen von meinem Gehirn. Wir blickten fassungslos auf diese hellen Lichtpunkte und versuchten zu begreifen. Ein gut gemeinter Rat hat sich in mir festgebrannt: "Leben Sie weiter wie bisher und ändern Sie Ihre Pläne nicht!" Das habe ich getan, einen Monat lang. Daraufhin kam mein allerschlimmster Schub, zu den bestehenden Symptomen Doppelbilder hinzu und die hochdosierte Cortisontherapie half nicht mehr. Da begann ich zu verstehen und andere Wege zu sehen. Doppelbilder. Zwei Wege. Entweder wie bisher oder anders. Anders! Definitiv anders! Doch wie sollte dieser andere Weg aussehen? Die Schulmedizin kommt bei chronischen Krankheiten an ihre Grenzen. Ich löste einen entscheidenden Anspruch in mir an die Ärzte auf: Ich hörte auf, die Verantwortung für meine Gesundheit mit dem Eintreten in die Arztpraxis abzugeben. Ich hörte auf, vom Arzt ein Rezept für mein Wohlbefinden zu verlangen. Ich begriff das Wichtigste überhaupt für mehr Gesundheit! ICH übernehme ab jetzt Verantwortung für mich! Und mit dieser Einsicht lagen die Fragen klar auf der Hand: Was kann ICH für mehr Gesundheit tun? Wie kann ich aktiv werden? Was kann ich aktiv für mich tun? Nach jahrelanger Ausbeutung meines Körpers und Missachtung von Grundbedürfnissen wie Schlaf, Entspannung, natürliche Lebensmittel... musste ich doch meine Pläne ändern und anders leben als bisher! Mein Körper sprach deutlich und ich glaubte ihm mehr. Für mich, die sich traurigerweise vorher nicht mit Gesundheit, Prävention, Selbstfürsorge auseinander gesetzt hat und die Funktionen des Körpers als selbstverständlich hinnahm, kam in den darauffolgenden Jahren ein Riesenpaket an neuen Lerninhalten auf mich zu. Ja, ich habe tatsächlich viel gelernt in den letzten Jahren! Ich habe gefühlt ein halbes Ernährungswissenschaftsstudium hinter mir, habe richtig kochen gelernt, Lebensmittel auf ihre Nährwerte untersucht, einen Einblick in die Wirkung von Mineralien, Vitaminen und Fettsäuren gewonnen, ich habe Entspannungstechniken gelernt, mich mit Entgiftung und Zellaufbau beschäftigt, mich psychologischen Strategien geöffnet und vieles, vieles mehr! Kurz gesagt: Ich habe gelernt, aktiv für mehr Gesundheit zu leben! Ich behaupte nicht, dass es einfach ist, sich selbst, sein Leben, seine Einsichten, seine Glaubenssätze und Gewohnheiten umzukrempeln! Im Gegenteil! Ich habe nicht erwartet, dass mir jemand "von Oben" vermittelt, wie es geht, Selbstfürsorge aktiv und vertrauensvoll zu leben. Ich warte nicht darauf, dass ein Wundermittel erfunden wird, welches mich heilt. Ich habe mich auf die Suche gemacht und mein neuer Weg hat sich sukzessive vor mir aufgetan. Ich habe recherchiert, gelesen, nachgedacht, in mich gehorcht und mein inneres Stimmchen entdeckt. Wir haben heute viele Möglichkeiten uns zu informieren, dazu zu lernen, uns auszutauschen, dafür braucht es kein Studium! Wir können uns selbst helfen! Ein Vorteil unserer Vernetzung und der modernen Medien: Das Angebot ist groß an gesundheitsfördernden Maßnahmen, die man selbst ergreifen kann. Es gehörte auch eine lange Zeit des Ausprobierens und Experimentierens dazu. Was tut mir gut? Wann ist die beste Zeit für was? Wie reagiert mein Körper auf dies und jenes? Natürlich bin ich auch durch Misserfolge und Zusammenbrüche gegangen, aber ohne Fehler keine Entwicklung! Nicht jeder Tipp ist für jeden geeignet und führt zu mehr Wohlbefinden. Was dem einen gut tut, schadet vielleicht dem Nächsten. Dafür sind wir doch sehr unterschiedlich. Dass ich aktiv geworden bin für mehr Gesundheit, indem ich gelesen, gelernt, nachgedacht, gehorcht, ausprobiert, mich äußerlich und innerlich bewegt habe, hat sich gelohnt! Ich habe meine Suche mit allen Höhen und Tiefen der letzten Jahre nicht bereut! Es gibt nicht DIE eine Methode oder DAS Mittel, was ich für mich gefunden habe. Es ist eher das Zusammenwirken von vielen kleinen Einzelimpulsen, die insgesamt mehr Wohlbefinden schenken. Heute pflege ich aktiv meine Alltagsrituale, die sich für mich als gesundheitsfördernd und schützend herauskristallisiert haben. Und das Verrückte und total Normale dabei ist, wenn man einmal damit anfängt, aktiv Gutes für sich zu tun, dankt der Körper es und verlangt davon mehr. Mein Körper freut sich auf diese Aktivitäten und ich habe mehr Lust, Gesundes tatsächlich zu tun! Nicht, um gegen die Krankheit zu kämpfen, nicht aus Angst vor einer Krankheit, sondern immer mit der positiven Einstellung, aktiv für mich und mehr Gesundheit zu leben. Mit diesem Denken und Tun wächst auch das Vertrauen in meinen Körper. Welch wertvollen Schatz habe ich dazu gewonnen: Ich kenne mich und meinen Körper nun ziemlich gut! Das ist für MS-Betroffene und andere chronische Kranke überaus wichtig: zu wissen wer man ist und wo die eigenen Grenzen sind! Alles was ich tun musste, war aktiv für meine Gesundheit Verantwortung zu übernehmen! Bist du auch schon aktiv für deine Gesundheit?

31 Ansichten

​© 2018 -2020. Noémi Szabina Haugk.

  • Facebook
  • Instagram