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  • Noémi Szabina Haugk

Die Sehnsucht nach Weiblichkeit

Aktualisiert: Nov 8

Mein Offenes Atelier ging gestern Nachmittag mit einem großen Andrang in die letzte Runde und heute schließe ich auch gedanklich diese besonders persönliche Ausstellung und lasse die Worte in meinen Ohren nachklingen von den tiefgehenden Gesprächen, die mich innerlich bewegen.

Jetzt habe ich eine Ahnung davon, was die Menschen an meinen Bildern und Liedern berührt, es scheint die tiefsitzende Sehnsucht nach Weiblichkeit und der Austausch darüber zu sein! Weiblichkeit ist nicht nur mein persönliches Thema und Kern meiner Geschichte, sondern betrifft viele Leben, auch Männer - es ist also kein reines Frauenthema, das wurde mir an diesen stürmischen Wochenenden im Februar bewusst. Wir haben ein gemeinsames Leiden, eine gemeinsame Liebe, ein gemeinsames Verlangen, eine gemeinsame Sehnsucht nach mehr, nach viel viel mehr Weiblichkeit in unserem Leben, in unserem Alltag, in unserem Denken und Fühlen, in unseren Beziehungen und in der Arbeit. Und das unabhängig vom Geschlecht. Eine wertvolle Erkenntnis, für die ich dankbar bin und die mich noch reicher macht.

"Was ist für Sie Weiblichkeit?" wurde ich gefragt. Jede Menge, und jede Menge nicht, denke ich zunächst und finde so schnell gar nicht alle Worte für eine passende und gerechtwerdende Definition. Ich habe diesen Begriff nie wissenschaftlich erörtert, ich kann nur aus meinem Schatz an Erfahrungen schöpfen und mich der Weiblichkeit nach meinen Gefühlen annähern. Was ist für mich Weiblichkeit nicht? Weiblichkeit ist nicht Leistung, Kraft, Härte, Druck, Stress, Kontrolle, Eile, Verbissenheit, Denken, Ehrgeiz, Lautes, Licht, Aktivität und vieles mehr. Aber "nicht" funktioniert ja bekanntlich nicht. Also anders: Weiblichkeit erfahre ich als Hingabe, Langsamkeit, in leisen Klängen, durch Loslassen, mir Zeit geben, beim Ausruhen, im Schlaf, Verantwortung abgeben, den Augenblick genießen, Intuition spüren, Ruhe bewahren, fühlen, einfach sein, ... Weiblichkeit ist mehr als Kleider tragen und schön sein. Äußerlichkeiten können täuschen. Ich habe meine langen Haare abgeschnitten und meine Kurven verloren und noch nie habe ich mich so weiblich gefühlt wie jetzt. Weiblichkeit ist das, was mich früher oder später gesund machen wird. Multiple Sklerose heißt übersetzt "Vielfache Verhärtungen". Ja, ich war vielfach hart mit mir selbst, habe meine männliche Seite betont und gelebt. Und da bin ich nicht alleine, das kennen viele! Ich habe am eigenen Körper erfahren, dass man Weiblichkeit unterdrücken kann und was es heißt, sich seiner eigenen Weiblichkeit wieder anzunähern, den Weg zu sich selbst zuzulassen. Den Weg zu der eigenen Vollständigkeit. Denn nur die Vollständigkeit macht und erhält uns gesund, wenn Männlichkeit und Weiblichkeit im Gleichgewicht sind.

Warum ist Weiblichkeit gerade so aktuell, so akut wichtig? So präsent? So IN?

Es gab in der Geschichte der Menschheit scheinbar schon lange keine Vorbilder mehr für Weiblichkeit, die Betonung lag auf männlichen Prinzipien, und auch sie versucht nun den Ausgleich zu finden und in der Gesellschaft ist dieser Nachholbedarf an Weiblichkeit stark spürbar. Besonders für jene, die sich ihrem Herzen öffnen und sich einlassen auf ihre Sehnsucht nach Weiblichkeit. Und ich bin mir sicher, dass sie dann vielfach überrascht, geliebt, geschätzt, bereichert und erfüllt werden von sich selbst. So wie ich auf meinem Weg nach mehr Weiblichkeit.

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​© 2018 -2020. Noémi Szabina Haugk.

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