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  • Noémi Szabina Haugk

Von Wurzeln und Flügeln

Aktualisiert: Nov 8


Man hört immer: Gebt Kindern Wurzeln und Flügel. Warum ist das wichtig? Warum sollte man sicher zwischen Himmel und Erde stehen? Und wenn man groß ist, bleiben einem die Wurzeln und Flügel für immer? Was, wenn man starke Wurzeln hat und schwache Flügel? Oder das Gegenteil, große, weite Flügel und nur zarte Wurzeln? Und wenn man beides hat, können einem die Flügel später brechen und die eigenen Wurzeln reißen? Wer hilft mir im Erwachsenenalter, die eigenen Wurzeln und Flügel zu stärken, gesund zu halten und ein optimales Gleichgewicht zwischen Himmel und Erde zu finden?

Ich beobachte bei mir, dass mein inneres Gleichgewicht sehr davon abhängt, wie gut ich einerseits geerdet und andererseits beflügelt bin. Und meine Gesundheit hängt von diesem Gleichgewicht ab. Die MS hat mich gelehrt, aufmerksam und liebevoll in mich hineinzuspüren und wahrzunehmen, wo befinde ich mich gerade? Manchmal finde ich mich irgendwo oben weit weg wieder, in luftiger Höhe, rastlos und getrieben. Ein anderes Mal liege ich unter mir auf dem Boden, unfähig, mich zu bewegen, innerlich wie äußerlich. Beides ist nicht gut. Extreme Zustände in die eine oder andere Richtung scheinen kein Weg zur Gesundung zu sein. Der einzige Weg zu Glück und Gesundheit ist für mich der Zustand ziemlich in der Mitte dazwischen. Nun bin ich tatsächlich groß und muss für mich selbst sorgen. Für meinen Körper, meine Seele, mein kleines Herz, für meine Flügel und Wurzeln. Ich bemerke, wie mich Ereignisse des Alltags, Menschen, Orte, Tätigkeiten, Zeiten entweder in die eine oder in die andere Richtung treiben. Oft kommt das Gespür dafür, was mich erdet und was mich beflügelt erst verspätet an. Dafür nehme ich mir abends ein paar Minuten Zeit für Meditation und mir bewusst zu machen, wo ich gerade stehe, wo ich mich gerade befinde und mich auszudehnen bis zu meinen Flügel- und Wurzelspitzen. Meine Grenzen zu ertasten mit ihnen und gleichzeitig meine Verbindung zur Außen- und Innenwelt. Ich kann jede Menge dafür tun, zwischen Himmel und Erde im Gleichgewicht zu sein. Mit dem, was ich tue, was ich denke, wo ich bin und mit wem ich mich austausche. Alles im Innen und Außen hat einen Einfluss auf diese Balance und man muss schon ganz schön still werden, um diese feinen Disharmonien zu deuten in einer Welt in der Reizüberflutung auf der Tagesordnung steht. Und bei MS reichen eben diese feinen Disbalancen aus, um Krankheitssymptome zu triggern. So habe ich mir und meiner Familie angewöhnt, Auszeiten zu leben. Jeden Tag Alleinzeiten zu pflegen. Sich jeden Tag Zeit zu schenken, eben so viel, wie man braucht und einem gut tut, um mit sich selbst zu sein. Ein Date mit mir selbst sozusagen. Nicht mit der Freundin am Telefon, nicht mit den Apps auf meinem Smartphone, nicht mit der Stimme aus dem Radio, sondern nur mit mir. Ich nehme nur mich wahr, nichts und niemanden anderes. Das hilft mir, mich zu spüren, was wieder mehr Pflege und Aufmerksamkeit braucht: meine Flügel oder meine Wurzeln? Ein vollkommenes Gefühl, sich in einem Moment auch mal ausgeglichen zu fühlen. Und wie pflege ich nun meine Wurzeln und Flügel? Was erdet mich? was beflügelt mich? Für mich persönlich ist das Rezept eine Mischung aus Orientalischem Tanzen, Singen, Gitarre spielen, Meditieren, Yoga praktizieren, alleine Spaziergänge machen, mich mit wunderbaren Menschen austauschen, meine Kinder in den Arm nehmen, Malen, ein Buch lesen, ungarische Sprache hören, bügeln und aufräumen, den Duft von erzgebirgischen Räucherkerzen riechen, Unkraut zupfen und einiges mehr.

Ich bin anders als du und du bist anders als alle anderen. Finde heraus, was dich beflügelt und was dich erdet! Hast du heute schon die Welt und dich mit deinen Wurzeln und Flügeln gespürt?

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​© 2018 -2020. Noémi Szabina Haugk.

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